Erste Urkundliche Erwähnung

Quelle: Ortschronik Bülten | Internetbearbeitung: J.Scherer | www.scherers-webfactory.de

Lehnen und Schenkungen geben erste Hinweise auf Klein Bülten

Lehnbuch von 1318
Aus “Urkundliche Erwähnung von Klein Bülten” Richard Schulze 1955
(Überarbeitung von Dr.Schwarz 2004)

Im “Lehnbuch des Herzogs Otto von Braunschweig” gibt es einen frühen Hinweis auf die Existenz von Klein Bülten. In einer Urkunde vom 22. September 1318, die bei Hans F.G.J. Sudendorf veröffentlicht wurde, heißt es im Band 1, Seite 169 in der Zeile 35: “Herwicus de vtzen miles et herwicus patruus Suus famulus. V. mans in maiori et in minori bultem.” Hier sind aufgelistet die Ritter von Ütze, Vater und Sohn, mit fünf Hufen Land in Groß und Klein Bülten, und in der nächsten Zeile werden noch vierzehn Hufen in Equord und zwei in Adenstedt erwähnt. Es ist durchaus möglich, daß es den Ort Klein Bülten schon vorher gab, aber es fehlen dafür bis jetzt (1955) schriftliche Quellen.

Im Band II desselben Verfassers wird für das Jahr 1344 auf Seite 42, Zeile 1-3, berichtet: “Johannes et wilhelmus frates dicti de vtze. habent dat kamrammecht. ad quod pertinent XIIII. mans in equord. et VI. holt nuttte. VII mans in maiori bulthem vn de buwehof. et II. casa ad hoc pertinentes. II. mans et. I. casa cum omni iure in minori bulthem. dat borchlen to deme campe. “- Es könnte heißen: Johannes und Wilhelm, ritterliche Brüder von Ütze, haben das Kämmererrecht und den ständigen Besitz von vierzehn Hufen Land in Equord und sechs Anteile Nutzholz. Sieben Hufen in Groß Bülten und eine von der Kirche zugesprochene Hufe (und Bauhof) und zwei Steingebäude am Ort für immer zwei hufen und ein Steinhaus mit allen Rechten in Klein Bülten und ein Haus im Felde (das Burglehnen im Feld).

Im ersten Band auf Seite 169 wird erwähnt, daß ein Ulrich von Schwichelt neben anderen Besitzung “III mansos in bultem” hat.
 

Von der Villication zum Großen Hof
Bülten gab es schon vor 1318

Aus der Stellungnahme von Heirich Munk im Februar 1993

Im Juni 1968 beging das Dorf Bülten im Rahmen eines Volksfestes die 650- Jahr- Feier. Kurz vorher hatte es den alten Namen “Klein Bülten” abgelegt. In diesem Jahr plant man eine 675- Jahr - Feier. Aber das Dorf Bülten ist älter als 675 Jahre.

Vor 675 Jahren- im Jahre 1318- nach dem Tode Herzogs Albrechts II. von Braunschweig Lüneburg, der den Beinamen der Feiste trug, übernahm sein ältester Sohn Otto der Milde die Regierung. Anläßlich der fälligen Neubelehnung der Vasallen ließ er ein Lehnbuch anlegen. Es war das erste im Bereich der welfischen Herzogtümer.

Damals wurden die Herren von Uetze, Herwig der Ritter und Herwig sein Onkel (Knappe). mit fünf Hufen Land in den Feldmarken von Groß Bülten und Klein Bülten belehnt. Desgleichen empfingen 1318 Ulrich von Schwicheldt und sein Bruder drei Hufen Land in Klein Bülten.

Bei der Erforschung der Ortsgeschichte vor 25  Jahren wurden die Urkunden des Bistums Hildesheim nicht berücksichtigt, denn die Ortsregister der Urkundenbücher des Hochstifts Hildesheim und seiner Bischöfe (Band 1 und 2 ) führten Klein Bülten nicht auf, dafür aber Bültum (Kreis Hildesheim-Marienburg).

Neuere Forschungen haben aber ergeben, daß die Verfasser der Urkundenbücher, die 1896 und 1901 erschienen, die Orte Bülten (Bulthen) ebenso wie die Orte Bettmar (Kreis Hildesheim) und Bettmar (Kreis Peine, früher Kreis Braunschweig) oft verwechselten. Staatsarchivdirektor Dr. Hermann Kleinau (Wolfenbüttel) wies in dem geschichtlichen Ortsverzeichnis des Landes Braunschweig besonders daraufhin.

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts bemühten sich die Hildesheimer  Bischöfe, die Rechte weltlicher Herren an den Besitzungen der Hildesheimer Klöster und Stifter einschließlich des Domstifts abzulösen. Bereits 1227 erwarb Bishof Konrad II. von den Grafen von Wohldenberg die Vogtei über die Güter des Archidiakons in Solschen. Auf dem Gerichtstag in Detfurth bei Salzdetfurth am 16. Juli 1232 übertrugen die Grafen Herman und Heinrich von Woldenberg die Vogtei über die Villication in Bülten (Bulthen). Der Bischof und das Domkapitel nahmen Kapitalien auf für die Einlösung der Villication. Nicht weniger als 74 genannte Zeugen wurden bei diesem Rechtsgeschäft genannt. Daß es sich bei diesem Rechtsgeschäft tatsächlich um Klein Bülten handelte, bezeugt ein Einnahme-, Ausgabe- und Zinsregister des Domdechanten Johann aus den Jahren 1277 - 1285. In diesem Register wurde nämlich Groß Bülten zum Unterschied von Bülten- lies Klein Bülten - Südbülten genannt. Groß Bülten liegt bekanntlich südlich von Klein Bülten Die Villication Bülten gelegenen Orte liegen auch in unmittelbarer Nähe des Dorfes und nicht im ehemaligen Amt Marienburg südlich von Hildesheim. Durch diesen Fehler im Ortsregister der Urkundenbücher unterblieb die Auswetung der Bücher vor 25 Jahren. Inzwischen ist in der Literatur mehrfach hingewiesen, daß die alten Ortsregister mit Vorsicht zu benutzen sind.

Die Familie von Schwicheldt erfreute sich des Besitzes von drei Hufen in Bülten bis zur Ablösung Mitte des 19. Jahrhunderts. Damals war die Familie Grote, die ursprünglich in Stedum seßhaft war, von denen von Schwicheldt mit dem drei Hufenhof  belehnt. Früherer Afterlehnsherr der Familie von Schwicheldt war die Familie Lege in Klein Bülten.


Eine noch ältere Quelle: Das Hildesheimer Totenbuch

Von Ilse Wittenberg und Helmut Wöbbeking / Ortschronik Bülten
 

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Gottfried Wilhelm Leibniz edierte 1707 Auszüge aus dem Totenbuch der alten Hildesheimer Kirchen. Er hat diese Angaben aus einer mittelalterlichen Handschrift abgeschrieben, die sich im Handschriftbestand der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel befindet (Codex Guelferbytanus 83.30 Aug. 2°, 59 verso).
 

Im Werk von Leibniz findet sich auf Seite 764 die aus der Hanschrift übernommene Zeile, die für die Ersterwähnung Bültens maßgebend ist:

II. Non. April. Ecbertus Comes dedit Bulthem cum
sexaginta mansis fratribus.

 

Hermann Adolf Lüntzel bezieht sich in der “Geschichte der Diöcese und Stadt Hildesheim” auf diesen Eintrag und schreibt in dem Kapitel über den von 990 bis 992 amtierenden Bischof Gerdag u.a.: “In dieser Zeit etwa wird auch die bedeutende Schenkung des einäugigen Grafen Ekbert, welcher am 5. April 994 starb, fallen. Nachricht von derselben ist uns nur im Hildesheimischen Totenbuche erhalten. Er gab dem Stiftsherren Bültum mit sechzig Hufen, Bültum im Amte Peine, wo das Domcapitel eine Meierei besaß, zu welcher unter Anderem zwei Allodien mit eilf Hufen und 67 1/2 Lathufen, freilich nicht allein vor Bültum, gehörten”.

Das es sich hier nicht um Bültum, den Ortsteil von Bockenem, handelt, wie H. Munk schon nachgewiesen hat, wird vom Archiv der Stadt Bockenem bestätigt: Bültum bei Bockenem beruft sich bei seiner Ersterwähnung auf eine Urkunde aus dem Jahr 1154.

Graf Ekbert der Einäugige gehörte zu den Nachfahren des Hermann Billung (Billing), der von Kaiser Otto I. um 950 zum Herzog von Sachsen eingesetzt wurde. In Verbindung mit dem Todestag des Grafen erfahren wir erstmals etwas über unseren Ort, so daß 1318 und 1232 als Jahre der Ersterwähnung überholt sind.

Daß Klein Bülten im frühen Mittelalter schon eine Siedlungsstätte war, beweisen auch die von Dr. Dehnke 1955 gemachten Gefäßscherben- Funde im Ortskern des alten Dorfes.

Zuerst gab es nur “Bulthem”, kein maiori Bulthem (Groß Bülten) und kein minori Bulthem (Klein Bülten), d.h. beide Bültener Orte können als Ersterwähnung ihre Namens das Jahr 994 für sich in Anspruch nehmen.

1318 oder 1232 oder 994?

Die Entscheidung darüber, welche Jahreszahl der erstmaligen Nennung eines Ortes zuzuordnen ist, beruht auf keiner Rechtsnorm. Die Frage bleibt solange unter Wissenschaftlern im Disput, bis neu entdeckte Quellen die eine oder andere Meinung erhärtet oder widerlegen oder gar alle bisherigen gegenstandslos machen, weil eine noch ältere Jahreszahl belegbar ist.

Und was bedeutet das für Bülten?- Nicht auf ein Ende des Wissenschaftsstreites warten, sondern die verpaßte 1000 Jahr-Feier durch eine andere ersetzen: 994 bis 2005, das sind 1011 Jahre Bülten!

 

 

 

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